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Bochum, 02.10.2009
Nr. 316  
  
Zwei Millionen Euro für Bochumer Projekte: Erfolgreichste Uni in NRW
Land fördert fünf Nachwuchsforschergruppen an der RUB
Von anorganischen Nanomaterialien bis zur vernetzten Religion
  

„Nachwuchsforschergruppen“ heißt das neue von der Landesregierung aufgelegte Programm zur Förderung junger Spitzenwissenschaftler, und es beschert der Ruhr-Universität gleich zum Start einen herausragenden Erfolg: Alle fünf von der RUB beantragten Nachwuchsforschergruppen wurden bewilligt – so viele wie an keinem anderen Standort in NRW. Landesweit entstehen an acht Hochschulen 17 Nachwuchsgruppen. Die Ruhr-Universität erhält insgesamt 2,2 Mio. € Fördermittel vom Land, die gleiche Summe steuert sie aus eigenen Mitteln hinzu. Mit ihren Projekten aus Religionswissenschaft, Philosophie, Kognitiver Neurowissenschaft, Anorganischer Chemie und Medizinethik erhalten fünf hervorragende Nachwuchswissenschaftler die Möglichkeit, frühzeitig eigenverantwortlich zu forschen und eine Forschergruppe zu leiten.

Forschungsstarker Standort für den Nachwuchs
Die vom Land bewilligten Nachwuchsgruppen basieren auf einem unabhängigen wissenschaftlichen Begutachtungsverfahren. Mit den fünf geförderten Projekten erhöht die Ruhr-Universität die Zahl ihrer Nachwuchsgruppen auf insgesamt 18 und festigt ihre bundesweite Spitzenposition als forschungsstarker Standort, der dem wissenschaftlichen Nachwuchs besonders gute Bedingungen bietet. „Frühe Unabhängigkeit herausragender PostDocs und Juniorprofessoren und die Möglichkeit, mit eigenen Budgets selbstständig wissenschaftlich zu arbeiten, erweist sich als Erfolgsmodell für die Unterstützung der wissenschaftlichen Karrieren junger Forscherinnen und Forscher“, so Rektor Prof. Dr. Elmar Weiler. „Kein Zufall also, dass Nachwuchswissenschaftler der Ruhr-Universität auch im Jungen Kolleg der NRW-Akademie der Wissenschaften die größte Gruppe stellen.“

Religion vernetzt
„Religion vernetzt – Zivilgesellschaftliche und wirtschaftliche Potentiale religiöser Vergemeinschaftung“: Unter diesem Titel erforscht die Nachwuchsgruppe den integrativen Beitrag von Religionen in modernen Einwanderungsgesellschaften. Migration und Religion – dieses Begriffspaar ist in der öffentlichen Diskussion oft negativ besetzt. Ob Religion als Gefahr für die innere Sicherheit gesehen wird oder gar als angebliche Bedrohung des globalen Friedens, zunehmend aus dem Blickfeld geraten Zusammenhänge, die den Alltag in oft unsichtbarer Weise prägen. Religion leistet einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zum sozialen Zusammenleben. Unter der Leitung von Dr. Alexander-Kenneth Nagel erforschen Religions- und Sozialwissenschaftler an der RUB, welche Ressourcen Religionen den Menschen zur Verfügung stellen. Ziel ist, die Aufmerksamkeit für die produktiven Seiten religiöser Vergemeinschaftung und interreligiöser Kontakte zu schärfen und sie besser zu verstehen. Dazu erstellen die Forscher unter anderem Fallstudien zu religiösen Netzwerken im migrationsstärksten Bundesland NRW. Die Nachwuchsforschergruppe ist angesiedelt am Centrum für Religionswissenschaftliche Studien – CERES - der Ruhr-Universität (Leitung: Prof. Dr. Volkhard Krech) und ergänzt die Arbeiten des internationalen Forschungskollegs „Dynamiken der Religionsgeschichte“.

Stufentheorie der Intentionalität
Eine der zentralen Fähigkeiten des Menschen ist, sich auf unterschiedliche Weise auf Gegenstände, Sachverhalte und andere Menschen zu richten – und zwar sowohl auf reale wie auch auf fiktive. Man kann sich einen Regenschirm wünschen, wenn es regnet; man kann Sherlock Holmes bewundern oder sich vor dem Yeti fürchten, ohne dass es sie gibt. In sozialer Interaktion können wir uns auch Gedanken über die Wünsche und Absichten anderer machen und sind dabei auch auf deren geistige Zustände gerichtet. Ständig greifen wir ganz selbstverständlich auf diese Fähigkeit zurück: Intentionalität. Bisher gibt es jedoch keine überzeugende naturalistische Theorie der Intentionalität und damit auch keine Antwort auf die Frage, welchen Platz dieses Phänomen in der Natur einnimmt. Mit dem Ziel, eine neue Stufentheorie der Intentionalität zu entwickeln, die das Phänomen in seinen unterschiedlichen Ausprägungen angemessen beschreibt, kooperieren in diesem von Dr. Tobias Schlicht geleiteten Projekt Philosophen der RUB (Antragsteller: Prof. Dr. Albert Newen) und der Universität Duisburg-Essen mit Experten der Fachgebiete Psychologie, Psychiatrie und Neurowissenschaften u. a. aus Bochum, Köln, Leipzig, London und Portsmouth (England).

Grundlagen der Entscheidungsfindung
Die Nachwuchsgruppe geht der Frage nach, wie das menschliche Gehirn Entscheidungen trifft. Insbesondere ist dabei von Interesse, in welcher Weise Erfahrungen im Gehirn verarbeitet, gespeichert und bei der Entscheidungsfindung berücksichtigt werden. Bekannt ist, dass das so genannte Belohnungssystem entscheidend an der neuronalen Verarbeitung von Reizen beteiligt ist, die die Konsequenzen eines Verhaltens anzeigen. Die Aktivität einzelner Neurone innerhalb des Belohnungssystems kodiert einen „Vorhersagefehler“ („prediction error“): das ist die Diskrepanz zwischen einer erwarteten und der tatsächlich eingetretenen Konsequenz eines Verhaltens. Für Verhaltenskonsequenzen, die besser sind als erwartet (z.B. die Gabe von Futter im Tierversuch) steigt die Aktivität der Neurone; für Konsequenzen, die die Erwartung unterschreiten, sinkt die Aktivität. Außerdem beeinflusst der Vorhersagefehler das Lernen. Obwohl in den letzten Jahren enorme Fortschritte zum Verständnis der neuronalen Grundlagen erzielt wurden, sind wesentliche Fragen noch immer ungeklärt. Etwa, welche Hirnstruktur die Vorhersage selbst repräsentiert und welche neuronalen Strukturen daran beteiligt sind, positive oder negative Verhaltenskonsequenzen zu verarbeiten und daraus zu lernen. Die Arbeitsgruppe „Neurokognitive Grundlagen der Entscheidungsfindung“ am Institut für Kognitive Neurowissenschaften der RUB (Neuropsychologie; Prof. Dr. Irene Daum) leitet Dr. Christian Bellebaum.

Nanostrukturen ernten Lichtenergie
Sonnenlicht als primäre Energiequelle industriell zu nutzen ist eine der großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Bereits im Jahre 1971 berichteten japanische Forscher, dass fein verteiltes Titandioxid, bekannt als Weiß-Pigment in Wandfarben, die Abspaltung des Energieträgers Wasserstoff aus Wasser durch Licht bewirken kann. Inzwischen kennt man über 100 photokatalytisch aktive anorganische Materialien, die ähnliche Eigenschaften aufweisen. Gleichwohl ist der Weg bis zu einer industriellen Umsetzung noch weit, da die zugrunde liegenden Phänomene sehr komplex sind. Hier setzt die Nachwuchsgruppe „Anorganische Nanomaterialien und Photokatalyse“ an. Sie erforscht vor allem das Zusammenspiel von Nanostruktur und Dotierung auf die so genannten photoelektrochemischen Eigenschaften der ausgewählten Materialien. Die fachübergreifende Gruppe ist zwischen Anorganischer Chemie (Synthese), Elektrochemie (Charakterisierung) und Technischer Chemie (Katalyse) angesiedelt und ergänzt die Bochumer Forschungsschwerpunkte in den Research Departments Interfacial Systems Chemistry (Grenzflächen-Systemchemie) sowie Integrity of Small-Scale Systems / High Temperature Materials (Integrität niedrigskaliger Systeme und Hochtemperaturmaterialien). Die Gruppe wird außerdem Kooperationsmöglichkeiten im Center for Electrochemical Sciences (Zentrum für Elektrochemie) der RUB nutzen. Antragsteller sind die Bochumer Chemiker Prof. Dr. Roland Fischer, Prof. Dr. Wolfgang Schumann und Prof. Dr. Martin Muhler. Die Leitung der Nachwuchsgruppe wird international ausgeschrieben.

Medizinethik am Lebensende
Geht es um Fragen der Ethik in der Medizin, so steht derzeit die letzte Lebensphase im Mittelpunkt gesellschaftlicher Diskussionen – wie zuletzt in der Debatte um eine gesetzliche Regelung zur Patientenverfügung. Der demografische Wandel (Alterung der Gesellschaft), die Weiterentwicklung von Therapieverfahren, zum Beispiel zur Behandlung von Krebserkrankungen, und die unterschiedlichen Präferenzen der Menschen hinsichtlich der Gestaltung von Leben und Sterben werfen neue ethische und empirische Forschungsfragen auf. Damit befasst sich die fachübergreifende Nachwuchsgruppe „Medizinethik am Lebensende“ am Institut für Medizinische Ethik und Geschichte der Medizin der RUB (Leiter: Prof. Dr. med. Dr. phil. Jochen Vollmann). Unter der Leitung von Dr. med. Jan Schildmann kooperieren in diesem Projekt Mediziner, Philosophen, Theologen und Juristen der RUB sowie der Universitäten Amsterdam, Oxford und Zürich. Sie verbinden ethisch-normative Aspekte des Themas mit empirischen Daten und leiten daraus konkrete Handlungsempfehlungen für die Praxis ab.

 
Weitere Informationen  
Dr. Nikolaus Bourdos, Ruhr-Universität Bochum, Dezernat 1 - Abt. Forschung und wissenschaftlicher Nachwuchs, Tel. 0234/32-29299
nikolaus.bourdos@uv.rub.de
 
Redaktion  
Jens Wylkop
Pressestelle RUB - Universitätsstr. 150 - 44780 Bochum
Telefon: 0234/32-22830 - Fax: 0234/32-14136
E-Mail: pressestelle@presse.ruhr-uni-bochum.de - Leiter: Dr. Josef König
 
 
 
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Letzte Änderung: 02.10.2009 10:09 | Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik