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Pressemitteilung
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Bochum, 15.08.2008
Nr. 246  
  
Was glaubt der Pott? – Religion im Revier
Neue Publikation zu Religion in der Gesellschaft
Veröffentlichung von Vorträgen aus der Reihe „Hörsaal City“
  

Was glaubt der Pott heute und: Gab es je einen tiefen Glauben im Revier? Diesen Fragen vom Wandel und veränderter Religiosität geht der Sammelband „Religion in der Gesellschaft – Ende oder Wende?“ nach, den Prof. Dr. Klaus Tenfelde, Direktor des Instituts für soziale Bewegungen im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets, im Essener Klartextverlag herausgegeben hat. Der Band vereinigt unterschiedliche, teils kontroverse Beiträge von Wissenschaftlern und Praktikern zu Veränderungsprozessen, die religiöser Glaube bei Arbeiterinnen- und Arbeitern – schwerpunktmäßig im Ruhrgebiet, aber auch NRW-weit – erfuhr. Die Beitrage basieren auf der Vorlesungsreihe „Hörsaal City“, einer zentralen, vom Rektorat der Ruhr-Universität initiierte Vorlesungsreihe, die jedes Semester zu einem anderen Thema im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets stattfindet und eine Brücke zur Bochumer City schlägt.

Religiöse Landkarte des Reviers
Im eigenen Beitrag weist der Historiker Tenfelde darauf hin, wie tief rückblickend die Frömmigkeit vor allem in der Bergarbeiterschaft des Reviers verwurzelt war, die stabilisierend auf politische Verhältnisse wirkte. Der fromme Bergarbeiterglauben fand Ausdruck in einem intensiven Barbarakult. Dagegen fühlten sich bekennende Sozialdemokraten einem Lasalle-Kult verbunden, der gleichsam religiöse Parallelen aufzuweisen schien. Auch heute, so Tenfelde, habe sich die Arbeiterschaft nicht vollends von Kirche und Christlichkeit verabschiedet, obwohl er eine seit den 1960er Jahren einsetzende und Strukturwandel bedingte rapide Veränderung im religiösen Verhalten feststellt. Dazu trugen einerseits Veränderungen der Frauenrolle in der Industriearbeiterschaft bei, in der noch bis 1960 der Frau als Mutter und Hausfrau eine entscheidende Rolle in der Weitergabe religiösen Verhaltens zukam, andererseits eine veränderte „religiöse Landkarte“ des Reviers, in dem der Anteil von Moslems und Juden anstieg. Dass eine Arbeitmarktkrise Motor gesteigerte Religiosität sein könne, verneint Tenfelde.

Zwischen Verantwortung und Neutralität
Volkhard Krech (Lehrstuhl für Religionswissenschaft, Evangelisch-Theologische Fakultät) erweitert das Blickfeld mit seiner Frage „Was glauben die Menschen in NRW?“, wo er eine ausgeprägt religiöse Diversität feststellt. Krech erläutert, welche Folgen solche Pluralisierung – von religiöser Beliebigkeit bis hin zu Verschmelzungen – haben könne. Der Historiker Lucian Hölscher (Lehrstuhl für Neuere Geschichte und Theorie der Geschichte an der RUB) zeigt die gegenwärtige Krise der Kirchen zwischen machtvoller Präsenz im öffentlichen Bereich einerseits und geringer Präsenz im privaten Bereich andererseits auf und weist bei der Frage, „Wie säkular darf Kirche sein?“, entschieden auf ihre Verantwortung bei der Gestaltung von Welt und Gesellschaft hin. Von „Neutralität“ dagegen spricht der emeritierte Religionsphilosoph Hermann Lübbe (Universität Zürich), wenn es erkenntnistheoretisch um das Verhältnis von Religion und Wissenschaft geht und dies wiederum mit der „Lebensweltferne“ von Fortschritt verbunden sei. Gleichzeitig schlägt er einen Bogen zum „Tugend-Terror der neuen religiösen Fanatiker“, der eine innerreligiöse Herausforderung an die islamischen Länder selbst stelle.

Katholische und protestantische Sicht
Zwei weitere Aufsätze – der eine aus katholischer Sicht über Geschichte und Zukunftsperspektiven der Pfarrgemeinden im Bistum Essen (Wilhelm Damberg, Lehrstuhl Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit, Katholisch-Theologische Fakultät mit Wilhelm Tolksdorf, Dezernat Pastoral vom Bischöflichen Vikariat Essen), der andere aus protestantischer Sicht über Perspektiven der evangelischen Kirche im Ruhrgebiet 2030 (Fred Sobiech, Superintendent des Kirchenkreises Bochum) - runden die aktuelle sozialhistorische Publikation ab.

Titelaufnahme
Klaus Tenfelde (Hg.): Religion in der Gesellschaft. Ende oder Wende? Essen: Klartext-Verlag 2008, 130 Seiten, 19,95 EUR, ISBN 978-3-89861-983-7.

 
Weitere Informationen  
Dr. Jürgen Mittag, Institut für soziale Bewegungen, Clemensstr. 17-19, 44789 Bochum, Tel.: 0234/32-26920, Fax: 0234/32-14249
juergen.mittag@rub.de
 
Angeklickt  
Webseite des Instituts:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/isb/
 
Pressestelle RUB - Universitätsstr. 150 - 44780 Bochum
Telefon: 0234/32-22830 - Fax: 0234/32-14136
E-Mail: pressestelle@presse.ruhr-uni-bochum.de - Leiter: Dr. Josef König
 
 
 
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Letzte Änderung: 15.08.2008 10:39 | Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik