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Bochum, 28.07.2004
Nr. 239
  
Fernweh – das Hexapod-Teleskop geht auf Reisen
Ziel: Die chilenischen Anden
RUB-Astronomen wollen junge Sterne und Quasare beobachten
  

Das Hexapod-Teleskop (HPT), das seit Mai 1999 im Botanischen Garten der RUB steht und hier als Bestandteil der Expo 2000 zu bewundern war, verlässt seine Kinderstube: Verpackt in mehrere Überseecontainer wird es demnächst nach Chile reisen und auf dem Cerro Tololo in den Anden wieder aufgebaut. Von dort aus werden die RUB-Astronomen um Prof. Dr. Rolf Chini dann junge Sterne und Quasare (Quasi-Stellare Objekte) beobachten. Dieses Projekt wird mit 184.000 Euro pro Jahr über eine Laufzeit von 15 Jahren von der Akademie der Wissenschaften des Landes NRW gefördert. Die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung ermöglicht mit einer Förderung in Höhe von 600.000 Euro den Bau eines neuen Spektrographen für das Vorhaben. Die Kosten für den Umzug des Hexapod-Teleskops trägt das Wissenschaftsministerium NRW (MWF).

Schiffspassage in vier Containern
Sobald die Mittel für den Umzug da sind, geht es los: Das HPT wird zerlegt, das Teleskop selbst passt in die beiden Container, von denen aus die Astronomen es zurzeit steuern, die Pyramide wird zwei weitere, doppelt so große Container füllen. Zeitgleich mit dem Abbau in Bochum fangen in Chile die Bauarbeiten für das Fundament und die Steuerzentrale an. � "Das wird wahrscheinlich fünf Monate dauern", schätzt Prof. Chini, "und von der Ankunft des HPT auf dem Cerro Tololo bis zum Start der Beobachtungen dürften noch einmal zwei Monate vergehen."

Erstmals genug Beobachtungszeit mit dem HPT
Im Fokus der Beobachtungen stehen dann junge Sterne und Quasare: Beide sind von Scheiben umgeben, aus denen Materie auf das Zentralobjekt (Stern bzw. Quasar) fließt. Immer wenn größere Mengen Gas auftreffen, wird das Objekt heller. Über die zeitlichen Dimensionen dieser Variationen von Sternen und Quasaren weiß man allerdings noch sehr wenig: "Man muss lange und ununterbrochen messen, bekommt aber an den großen, internationalen Teleskopen nur wenige Stunden Messzeit pro Jahr", so Chini. Hier wird das HPT eine Nische füllen, da es das ganze Jahr hindurch zur Verfügung steht. Anhand der beobachteten Intensitätsvariationen können die Astronomen dann Rückschlüsse auf die physikalischen Prozesse ziehen, die den Veränderungen von jungen Sternen und Quasaren zugrunde liegen.

Innovatives Teleskop folgt Sternen trotz Erddrehung
Das Hexapod-Teleskop war als Prototyp für ein innovatives Teleskopkonzept in den 1980-er Jahren geplant und durch eine Förderung des Wirtschaftsministeriums NRW durch die Krupp Industrietechnik in den 90-er Jahren fertig gestellt worden. In den letzten fünf Jahren haben Mitarbeiter des Astronomischen Instituts der RUB dann Hand angelegt: Neue, im ersten Konzept nicht vorgesehene Komponenten mussten entwickelt und konstruiert werden, veraltete Teile wurden durch moderne ersetzt. "Stellvertretend sei nur der originale Steuerungsrechner erwähnt - ein 286-er PC, auf dem heute nicht einmal mehr das neueste Windows-Betriebssystem laufen würde, geschweige denn ein solch komplexes Teleskop gesteuert werden könnte", erzählt Prof. Chini. Inzwischen läuft das HPT mit der modernsten Teleskopsoftware der Welt, die die Europäische Südsternwarte (ESO) für ihr Zukunftsprojekt ALMA entwickelt hat und die beim HPT erstmals angewandt wird. Eng verbunden damit ist die sog. "Nachführung", d.h. die ständige Bewegung, die ein Teleskop während der Messung ausführen muss, um die Drehung der Erde auszugleichen. Hierzu wurde ein System entwickelt, dass es erlaubt, einem einmal zentrierten Stern beliebig lange automatisch zu folgen.

Flexibler dünner Spiegel
Eine weitere Besonderheit des HPT ist sein aktiver Spiegel von 1,5 m Durchmesser. Er ist mit 50 mm so dünn, dass er von sich aus seine hochpräzise Form nicht halten könnte und daher auf 36 rechnergesteuerten Unterstützungspunkten gelagert ist. "Diese Flexibilität erlaubt es uns, den Spiegel bei jeder Teleskopposition soweit zu verbiegen, dass er immer die optimale Form beibehält", erläutert Chini. Auch diese Optimierung muss ständig durch ein optisch-elektronisches System kontrolliert werden, das am Astronomischen Institut mit Hilfe der ESO geplant und in der Fakultätswerkstatt gebaut wurde.

Bester Spektrograph der Welt
Als Empfänger für das HPT ist neben einer CCD-Kamera ein Spektrograph vorgesehen. "Nach dem Vorbild eines Instruments der ESO bauen wir zusammen mit der Landessternwarte Heidelberg-Königstuhl einen der besten Spektrographen weltweit", plant Chini. "Die Heidelberger Kollegen haben ein solches Gerät bereits für die ESO gebaut und stehen uns mit Rat und Tat zur Seite." Die Mittel für dieses Projekt in Höhe von 600.000 Euro werden durch die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung bereitgestellt. Die drei Stellen, die von der Akademie der Wissenschaften NRW finanziert werden, erlauben für 15 Jahre einen gesicherten Forschungsbetrieb mit dem Teleskop.

Hexapod
Noch im Botanischen Garten der RUB: Das Hexapod-Teleskop
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Weitere Informationen  
Prof. Dr. Rolf Chini, Ruhr-Universität Bochum, Fakultät für Physik und Astronomie, Astronomisches Institut , Lehrstuhl für Astrophysik, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-28802, Fax: 0234/32-14412
chini@ruhr-uni-bochum.de
 
Pressestelle RUB - Universitätsstr. 150 - 44780 Bochum
Telefon: 0234/32-22830 - Fax: 0234/32-14136
E-Mail: pressestelle@presse.ruhr-uni-bochum.de - Leiter: Dr. Josef König
 
 
 
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Letzte Änderung: 28.07.2004 13:19 | Ansprechpartner/in: Inhalt & Technik